Einfach dazugehören

Editorial

Einfach dazugehören

von Wolfgang Sannwald

 

Nicht negativ auffallen, dazugehören! In der Redaktion berichtete eine Kollegin, die vor drei Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen ist, wie sehr sie sich darum bemühte: Im Bus setzte sie sich nie hin. Niemand sollte hinterher sagen: Die nimmt mir den Platz weg. In der Eisenbahn musste sie auf die Toilette. Danach reinigte sie den Abtritt besonders gründlich. Niemand sollte hinterher darauf zeigen: Ja, die Flüchtlinge … Viele Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind, wollten nicht negativ auffallen. Sie wollten es „den Deutschen“ recht machen. In der Redaktion erkannten wir dabei viele Schichten von Vorurteilen. Da gab und gibt es die Vorurteile „der Deutschen“. Und es gab und gibt die Vorurteile über die Vorurteile „der Deutschen“. Drei Jahre später zeigen Rückblicke: Es strengt an, wenn man sich durch einen Dschungel von Vorurteilen bewegen will und muss. Wir von tünews INTERNATIONAL meinen: Es ist einfacher, über wechselseitige Erwartungen zu sprechen und zu schreiben. Das tun wir in dieser Edition.

 

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