Immer wieder Neues

Biografie

Immer wieder Neues

von Ute Kaiser

 

Hajera Sheikh lebt nach dem Motto: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Ihr Lebensweg erforderte einen starken Willen und die Fähigkeit, sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen.

Die Familie – der Vater war bei der pakistanischen Luftwaffe und hat inzwischen mit dem Großvater eine Anwaltskanzlei in Pakistan, die Mutter ist Biochemikerin – zog oft um. Innerhalb von Pakistan und nach Dubai. Hajera spricht Urdu, Punjabi, Englisch, Hindi und Deutsch. Ihre Verwandten und Freunde in Pakistan besucht sie in der Regel einmal im Jahr.

2008 kam Hajera mit ihrer fünfeinhalb Jahre jüngeren Schwester und dem Vater nach Tübingen. Ihre Mutter war schon seit 2007 hier. Sie hatte ein Stipendium bekommen, um in Tübingen in Biochemie zu promovieren. Sie arbeitet mittlerweile am Klinikum der Universität.

Bis zur elften Klasse ging Hajera aufs Carlo-Schmid-Gymnasium in Tübingen. Dann zog sie nach Lahore in Pakistan. Dort machte sie das britische Abitur.

2014 kehrte sie wieder nach Tübingen zurück und besuchte das Leibniz-Kolleg. Das bietet ein einjähriges breit angelegtes Orientierungsstudium an. Es gab Hajera „Zeit und Raum, etwas auszuprobieren“. Die inzwischen 24-jährige Studentin interessierte sich für vieles: Medizin, Jura, Biochemie, Kunst, Theater und Architektur. Doch es kam anders.

Im Kolleg hatte sie einen Kurzfilm gedreht. Das hat ihr „viel Spaß“  gemacht. Um neben der Praxis auch die Theorie zu lernen, entschied sie sich für ein Studium der Medienwissenschaft und Ethnologie. Ihre Bachelor-Arbeit über den Kaschmir-Konflikt in indischen und pakistanischen Filmen ist fertig. Im Oktober beginnt sie mit dem Master-Studium.

Hajeras Mutter und Schwester haben längst die deutsche Staatsangehörigkeit. Der Vater hat sie beantragt und lernt für die Sprachprüfung. Hajera hat bisher nur ein Studenten-Visum. Die Visum-Änderung war bisher nicht erfolgreich. Deshalb muss sie als Nicht-EU-Ausländerin pro Semester fast 1700 Euro an Studiengebühren zahlen und neben dem Studium Geld verdienen. Hajera hat einen Minijob in der Tübinger „Marktschenke“, ist die Online-Redaktionsassistentin von Tünews INTERNATIONAL und arbeitet außerdem ehrenamtlich im Weltladen mit: „Fairtrade ist mir sehr wichtig.“

Zu Tünews kam sie eher zufällig. Sie hat Tünews-Herausgeber Wolfgang Sannwald kennengelernt. Er suchte Leute mit Video-Erfahrung für die Online-Redaktion. „Besser konnte es nicht passen“, sagt Hajera. Als Werkstudentin bereichert sie die Redaktion. Sie hat unter anderem ein Video über das Tübinger Stocherkahnrennen  gemacht. Ihre künstlerische Ader lebt sie seit drei Jahren auch in der „Internationalen Kunstwerkstatt“ aus und präsentierte ihre Werke schon in einer Ausstellung.

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