In Syrien wie in der Ukraine: Archäologische Kunstwerke werden vor dem Krieg geschützt

Von Youssef Kanjou
Kriege sind verheerend für alles. Menschen werden getötet und vertrieben, Häuser zerstört, aber auch das nationale und menschliche Kulturerbe wird von den kriegführenden Parteien zerstört. Während Menschen versuchen, dem Krieg zu entkommen, arbeiten Museumsmitarbeiter immer daran, Schutzmaßnahmen für Museumssammlungen und riesige Statuen umzusetzen. Normalerweise werden Kunstwerke in Galerien unter hellem Licht ausgestellt, damit alle sie sehen können, aber im Krieg suchen sie nach Orten, an denen es sehr dunkel ist.
Als der bewaffnete Konflikt 2012 Aleppo erreichte und die Menschen zu fliehen begannen, fingen die Mitarbeiter des Nationalmuseums damit an, Tausende von Artefakten in geheime unterirdische Lager des Museums zu bringen, sie zu verpacken, riesige Zementwände zu errichten, alle Türen und Fenster mit Metall zu verschließen und einige sehr wichtige Stücke ganz aus dem Museum zu bringen.
Das schwierigste Problem waren die riesigen Statuen im Garten und in den Hallen des Museums, die nicht von ihrem Standort wegbewegt werden konnten, so dass sie an ihrem Platz geschützt werden mussten. Die einfachste, schnellste und kostengünstigste Methode war der Schutz durch mit Sand gefüllte Säcke, die um die Statue herum gelegt wurden, um sie vollständig abzudecken. Dadurch werden Stöße abgefedert und die Statue vor einem Absturz geschützt.
Heute stellen wir fest, dass sich in der Ukraine dasselbe Szenario für das „kulturelle Erbe“ wiederholt. Die Museumssammlungen, aber auch die großen Statuen auf öffentlichen Plätzen mussten so schnell wie möglich geschützt werden. Zu diesem Zweck wurden mehrere Gruppen mit Freiwilligen gebildet, außerdem übernahm der Krisenstab in den Museen seine Aufgabe zum Schutz der Kunstsammlungen. Alle diese Museen wurden für ihre Besucher geschlossen, und alle Stücke wurden perfekt verpackt, um sie vor Zerstörung und Feuchtigkeit zu schützen. Dann wurden sie in geheime und sichere Schutzräume innerhalb der ukrainischen Städte gebracht. Auch Unterstützergruppen aus Polen und Deutschland halfen mit Materialien und Spenden.
Riesige Statuen zu schützen, stellte sich als Problem auch in der Ukraine wie schon im Aleppo-Museum. Auch hier wurden diese mit Sandsäcken in großer Zahl geschützt. Auch dabei waren Freiwillige beteiligt.
Die offiziellen Behörden hatten nach unserer Erfahrung nur ein geringes Interesse, die Museen und ihre Hüter zu schützen. Man verließ sich in hohem Maße auf Freiwillige und Nichtregierungsorganisationen. Die Verantwortung lag ganz auf den Schultern ihrer Museums-MitarbeiterInnen.
Bekanntlich enthalten Museen bedeutsame Sammlungen alter und moderner Kunstwerke oder Werke einer bestimmten Epoche und bringen so nationale und menschliche Identität zum Ausdruck. Daher stellen die Ereignisse in Kriegen und die enormen Schäden, die sie verursachen wie Zerstörung und Diebstahl, eine echte Katastrophe dar, die nicht wieder gutgemacht werden kann. „Wenn wir unsere Kultur verlieren, verlieren wir unsere Identität“, sagte Lilia Onischtschenko, die Leiterin des Büros für den Schutz des kulturellen Erbes in der Stadtverwaltung von Lemberg in der Ukraine, der britischen Zeitung „The Guardian“.
Archäologische Stätten haben uns zahlreiche Beweise für die brutale Zerstörung früherer Kulturen und Zivilisationen schon in antiker Zeit geliefert, so beispielsweise die Zerstörung des Tempels von Ain Dara im Nordwesten Syriens im zweiten Jahrtausend v. Chr. Russland ist einer von 132 Staaten, die sich der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut in Kriegszeiten angeschlossen haben. In diesem internationalen Vertrag von 1954 verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten darauf, Kulturgut nicht für militärische Zwecke zu benutzen und keine feindseligen Handlungen gegen Kulturgut zu richten. Wenn ein Staat einen anderen militärisch besetzt, muss die Besatzungsmacht den Behörden des besetzten Landes bei der Sicherung ihres Kulturgutes helfen.
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Schutz der archäologischen Statuen im Garten des Nationalmuseums von Aleppo. Foto: tünews INTERNATIONAL / Youssef Kanjou.

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