2700 Jahre alte Weinpresse im Libanon entdeckt

Der Weinbau wurde im Nahen Osten erfunden

Von Youssef Kanjou

Es ist nicht genau bekannt, wann die Menschen den Weinbau erfanden, aber es ist klar, dass er sehr alt ist. Alle archäologischen Nachweise zeigen, dass die Menschen im Nahen Osten begannen, Wein anzubauen. Bis heute gibt es aber nur einige wenige antike Überreste des Weinbaus wie Kelter-Anlagen und Zisternen oder unterirdische Speicher.

Die ältesten Spuren des Weinbaus im Vorderen Orient stammen aus dem sechsten Jahrtausend v. Chr. Damals wurde auf Fels- oder Steinböden gekeltert, auf die die Trauben gelegt wurden. Von dort wurde die Flüssigkeit in Kanälen in ein unterirdisches in Stein gehauenes Becken transportiert, um hier zu vergären.

Die alten Ägypter gelten als eines der ersten Völker, die um 3400 v. Chr. mit der Bierherstellung begannen. Dort wurden die Überreste der ältesten Brauerei der Welt gefunden. Die alten Ägypter stellten mindestens 17 Sorten von Bier und mindestens 24 Sorten von Wein her.

Archäologen der Universität Tübingen gaben kürzlich die Entdeckung einer Weinpresse aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. in Tell el-Burak nahe der Stadt Sidon im Libanon bekannt. Die Siedlung gehörte zur phönizischen Kultur. Die Entdeckung war das Ergebnis archäologischer Ausgrabungen der Universität Tübingen und der American University of Beirut. Sie ist das einzige Beispiel in der Region und aus dieser Zeit, bei dem sich die Teile der Presse noch an ihrem ursprünglichen Platz befinden.

Die archäologischen Studien haben gezeigt, dass die Phönizier fortschrittliche Techniken bei der Bearbeitung zeitgenössischer Fußböden und Wände verwendet haben. So wurden Materialien wiederverwendet wie zerbrochene alte Keramik und eine Mischung aus Gips und Kalk benutzt, um den Boden fest zu machen und das Austreten von Flüssigkeit zu verhindern.

Archäologische Studien haben auch gezeigt, dass die Bewohner der Region in großem Umfang Weintrauben anbauten und auch Wein in großen Mengen produzierten. Dieser wurde von den Phöniziern rund um das Mittelmeer gehandelt und auch bei religiösen Zeremonien verwendet. Als Beweis dafür fanden die Archäologen viele große Tongefäße, die für den Transport von Wein verwendet wurden. Es gibt auch viele historische Quellen, die über den phönizischen Handel dieser Zeit sprechen. Auf diese Weise ist Wein auch nach Süddeutschland an die keltischen Fürstenhöfe gelangt, lange bevor die Römer den Weinbau hierherbrachten.

In Syrien ist während der römisch-byzantinischen Epoche die Wein- und Ölproduktion in den Städten Nordsyriens berühmt, die als die Toten Städte bekannt sind. Sie stehen heute auf der Liste des Weltkulturerbes. Diese Region erlebte in frühchristlicher Zeit eine bedeutende Blüteperiode, weil es dort viele wichtige Kirchen gab. So auch die Kirche St. Simeon im Norden von Aleppo, zu der Pilger aus vielen Gegenden kamen und dann auch Wein und Öl kauften. Diese Städte haben ihre Bedeutung verloren, nachdem der Weinhandel mit der Ankunft des Islams aufgehört hatte, wie in einigen Texten erwähnt wird. In diesem Gebiet haben Archäologen Hunderte von Wein- und Ölpressen gefunden, von denen bis heute noch Spuren zu sehen sind.

Auch bei unseren archäologischen Ausgrabungen in Ost-Aleppo entdeckten wir eine Stätte, die dem Weinbau in der byzantinischen Zeit gewidmet war. Kanäle und unterirdische Speicher findet man noch an ihrem ursprünglichen Platz.

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Foto: Youssef Kanjou; Archäologische Reste eines Weingutes, wo in byzantinischer Zeit Weingärung und Weinverarbeitung östlich von Aleppo in Syrien stattfanden.

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