Corona-Erlebnisse eines Lebensmittelverkäufers

Mohammad macht seit drei Jahren eine Ausbildung zum Verkäufer in einem Lebensmittelladen in Tübingen. Er glaubt, dass ihn der Coronavirus auch am Arbeitsplatz bedroht. Es gäbe „keine Garantie dafür, dass wir während der Arbeit vor dem Ansteckungsrisiko geschützt sind“. Die einzige Chance des Personals sei: „Wir selbst berücksichtigen die Kontaktvorschrift des Abstandhaltens.“ Einige der Kunden würden keinen Abstand halten, „beispielsweise kommen sie sich untereinander und auch uns vom Personal bei einer Unterhaltung zu nah – obwohl wir im Laden deutlich gekennzeichnet haben, dass jeder Kunde mindestens anderthalb Meter vom Verkäufer und anderen Kunden entfernt sein sollte.“ Er berichtet von einem bezeichnenden Vorfall mit einer Kundin: „Ich bediente sie an der Obst- und Gemüsetheke und wollte ihre Waren in unsere Papier- und Plastiktüten verpacken. Die Kundin verlangte aber, ich solle die Sachen in Verpackungen füllen, die sie mitgebracht hatte. Ich weigerte mich und erklärte ihr, ich dürfe diese aufgrund der Hygienevorschriften nicht anfassen und das sei am besten für uns beide, gerade jetzt in der Pandemie. Da wurde sie sehr laut und schimpfte. Schließlich ließ sie die Waren liegen und verließ den Laden.“ Dieser Vorfall habe ihn „sehr genervt“. Sein Chef habe ihm aber gesagt: „Du hast dich richtig verhalten.“ Erst hinterher habe er von einem Freund erfahren, dass manche Menschen in Tübingen den Müll durch Verpackungen vermeiden wollen und deshalb ihre eigene Verpackung mitbringen. Mohammad meint: „Das ist zwar gut gedacht, aber wegen der Ansteckungsgefahr geht das im Moment nicht.“

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Impressionen zum Leben in Zeiten der Corona-Pandemie: Foto: tünews INTERNATIONAL; Mostafa Elyasian, 06.04.2020

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