Corona in Syrien

Von Salwa Saada und Feras Trayfi

Bis zum 21. Mai wurden in Syrien nach Regierungsangaben 58 Fälle mit Corona Virus bestätigt, 36 Patienten sollen genesen sein, drei starben. Ungefähr 6781 Menschen sind unter Quarantäne gestellt, 2557 von ihnen stehen unter Gesundheitskontrolle. Niemand kann die Echtheit dieser Zahlen bestätigen.

Viele Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen wurden infolge des fast zehnjährigen Krieges zerstört, und der Rest befindet sich in einer Notlage. Hinzu kommt der Mangel an medizinischem Personal sowie an Ausrüstung und Geräten, die für die Untersuchungen erforderlich sind. Dies berichtet die internationale Presse über die aktuelle Situation in Syrien. In Damaskus wurden am Anfang der Corona-Krise den Bürgern viele Beschränkungen auferlegt. Es wurde eine Ausgangssperre verhängt, die um sechs Uhr abends beginnt und am nächsten Tag bis sechs Uhr morgens andauert. Außerhalb dieser Verbotszeiten dürfen die Menschen nur zur Arbeit gehen oder ausgehen, um für ihren Alltagsbedarf einzukaufen. Alle Geschäfte und Einkaufszentren außer den Supermärkten sind geschlossen, ebenso wie Restaurants, Touristen- und Freizeiteinrichtungen wie auch die Sporthallen. Private und öffentliche Versammlungen, Veranstaltungen und Feiern wurden abgesagt und verboten, einschließlich Trauungen, Beerdigungen und Beileidsbezeigungen.

Am Freitag und Samstag beginnt die Ausgangssperre schon um 12 Uhr und dauert bis 6 Uhr am nächsten Morgen. Jeder, der gegen diese Regeln verstößt, wird zusätzlich zur Festnahme mit Geldstrafen belegt.

Diese Beschränkungen haben viele negative Konsequenzen für die Bürger, da die Preise für viele Grundnahrungsmittel stiegen und sich Panik und Angst unter den Menschen ausbreiteten. Daher fordern viele Menschen über soziale Medien die Aufhebung der gegen Syrien verhängten Wirtschaftssanktionen, weil die Bürger selbst am stärksten von den Ergebnissen dieser Sanktionen betroffen sind.

Moscheen und Kirchen wurden ebenfalls geschlossen. Der Zwangsurlaub für Universitäten, Schulen und andere Bildungseinrichtungen wird bis nach dem Zuckerfest verlängert, dem Ende des Ramadans. Alle Schüler der Übergangsphase werden automatisch in die höheren Klassen versetzt und alle Zertifizierungsprüfungen werden bis auf 21. Juni verschoben.

Normal darf nur in den folgenden Berufen gearbeitet werden: medizinisches Personal, Armee und Polizei sowie Sicherheitskräfte, Apotheken und Presse. Taxis dürfen nur in Notsituationen arbeiten. Ämter und Behörden sind mit Kundenverkehrsbeschränkungen zugänglich. Ein- und Ausreisen über die Landesgrenzen sind verboten, ebenso Reisen zwischen Provinzen und Städten.

Diese Regeln und Einschränkungen, die landesweit gelten, wurden jedoch mit Beginn des Ramadans schrittweise gelockert. Die Ausgangssperre beginnt jetzt um 19:30 Uhr statt um 18:00 Uhr. Zahnkliniken dürfen nach ihrer Schließung wieder arbeiten. Einige Geschäfte, Reparaturwerkstätten, Näh- und Friseurläden dürfen öffnen, jedoch nur an bestimmten Tagen oder für eingeschränkte Zeiten, das Ganze im Wechsel. Transportfahrten wurden auch wieder zwischen Städten und ländlichen Gebieten innerhalb derselben Provinz ermöglicht, damit die Angestellten und Arbeiter zu ihren Arbeitsstellen fahren können. Die Universitäten werden ebenfalls ab dem 31. Mai wiedereröffnet, aber unter bestimmten Bedingungen. Die Ausgangssperre wird bis auf Weiteres fortgesetzt.

Die Medien veröffentlichen Informationen zur Sensibilisierung über das Virus und raten dazu, die Hygieneregeln und die soziale Distanzierung einzuhalten. Es gibt aber keine Verhaltenspflicht, wie bestimmte Abstände zwischen Personen oder das Tragen von Masken.

Die Situation in den belagerten Gebieten und in den Flüchtlingslagern an der Grenze ist viel schlimmer, da die Menschen dort aufgrund des Mangels an medizinischem Personal, Ressourcen und mangelnder Aufklärung nicht lange standhalten können, wenn das Virus bei ihnen eintrifft. Laut den Verantwortlichen für diese Lager gibt es Sensibilisierungskampagnen von lokalen Organisationen, die jedoch nicht ausreichen, um das Risiko der Ausbreitung des Virus zu verhindern. Ein Arzt aus der Stadt Idlib sagte während eines Interviews mit dem deutschen Magazin „Der Spiegel“: In Idlib gebe es nicht einmal genug sauberes Trinkwasser, also für die Hygiene schon gar nicht. Wenn er nach Seifen, Sterilisatoren und Reinigungsmitteln gefragt werde, schweige er lieber.

Viele Menschen in diesen Gebieten haben nicht genug zu essen oder zu trinken. Für diejenigen, die in Flüchtlingslagern an der Grenze leben, bezeichnet die Auslandspresse die Situation als tragisch, zumal häufig kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht.

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Foto: tünews INTERNATIONAL; A. A.

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