Der Geschmack der Heimat

Theater

Der Geschmack der Heimat

Von Reem Al Sagheer

 

„Home is where you have your Kartoffelsalat“: Um das Thema Heimat ging es bei einer Veranstaltung am Samstagabend, 14. September, im Landestheater Tübingen (LTT). Der Geruch von orientalischem Essen lockte beim Theaterfest mehr als 50 Leute an.

Im Theatersaal standen ein Herd und einige Kochplatten. Vier Köchinnen und ein Koch aus Syrien, Afghanistan und der Schweiz  brieten Fisch, Hähnchen, Fladenbrot und Wurst. In einem Topf kochten Linsen für Mjadara, eine syrische Spezialität mit Bulgur, Linsen, Zwiebeln und Olivenöl.

Die Regisseurin Twyla Zuschneid  hat die Idee für die Veranstaltung  aus Marburg mitgebracht. Dort führten die Gespräche über Heimat und das gemeinsame Essen die Menschen zusammen. Das fand Twyla „beeindruckend und inspirierend“. In ihrer Eröffnungsrede unterschied sie zwischen Heimat und Vaterland: „Die Heimat hat weder Uniform noch Fahne.“

Fatima, Oula und Feras, Redaktionsmitglieder von Tünews INTERNATIONAL, verbinden Heimat auch mit Essen. Feras hat Saiadia gekocht, eine Speise aus dem Meergebiet im Norden. Sie besteht hauptsächlich aus Reis, Zwiebeln und Fisch, der in Mehl mit sieben Gewürzen paniert wird. Das Rezept hat ihm seine Mutter aus Syrien geschickt. Fatima und ihre Mutter Kamila aus Afghanistan haben zusammen Sambosa gekocht. Das sind mit Hähnchen, Knoblauch und Zwiebeln gefüllte Teigtaschen, zu denen eine spezielle Soße gereicht wird. Für das deutsche Publikum hat Fatima das Essen extra „nur ein bisschen scharf“ gemacht.

„Meine Sprache ist meine Identität“, sagt Oula aus Syrien. Zuhause spricht sie mit ihren Kindern nur Arabisch, damit sie ihre Herkunftssprache nicht vergessen. Sie hat Mjadara und Fattoush (Salat mit gegrilltem und gebratenem Fladenbrot) zubereitet, weil beides schnell geht. Normalerweise, sagt Oula, „brauchen unsere Gerichte viele Zeit“.

Arabische und afghanische Familien speisen gerne mit Gästen. So auch Baba Ghanoush, ein christlicher Patriarch. Nach ihm wurde das Gericht benannt, das Oula gekocht hat. Das ist gegrillte  Aubergine mit Walnüssen, Zitronensaft, Knoblauch und Tahina (Sesampaste). Der Patriarch wollte das Gericht nicht alleine essen, deshalb hat er seine Gemeinde eingeladen, das Essen mit ihm zu teilen.

Zum guten Ende haben die Köchinnen und der Koch das Publikum eingeladen, sich zu bedienen. Nicht nur in Marburg, sondern auch in Tübingen hat das Essen Menschen miteinander ins Gespräch gebracht. Von den Spezialitäten blieb nicht mal ein Reiskorn übrig.

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