Die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands

Von Hanna Sannwald

Am 3. Oktober wird in Deutschland jedes Jahr der „Tag der Deutschen Einheit“ gefeiert. Dies ist ein nationaler Feiertag. Doch wie kommt es dazu?

Nachdem Deutschland den Zweiten Weltkrieg (1939–1945) verloren hat, haben die vier Siegermächte Deutschland geteilt. Die heutigen Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen waren die Besatzungszonen der damaligen Sowjetunion. Die restlichen Bundesländer wurden von Frankreich, den USA und Großbritannien besetzt. Obwohl Berlin eigentlich in dem Gebiet der Sowjetunion lag, wurde es in vier Sektoren, einen für jede Siegermacht, aufgeteilt. Dies geschah, weil es die Hauptstadt war.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Teilung Deutschlands fingen die Siegermächte an, sich voneinander abzuwenden, weil sie unterschiedliche Weltanschauungen hatten. Die westlichen Länder, unter der Führung der USA, vertraten kapitalistische Grundsätze. Im Gegensatz dazu vertraten die östlichen Länder, angeführt von der Sowjetunion, kommunistische Überzeugungen. Diese Zeit wird auch der Kalte Krieg genannt, der von 1945 bis 1991 ging. Die Supermächte haben nicht direkt miteinander gekämpft, aber es gab stellvertretende Auseinandersetzungen. Durch die Differenzen entstand der „Eiserne Vorhang“, der über ganz Europa lag. Mit diesem Begriff werden die damals abgeriegelten Grenzen innerhalb Europas bezeichnet. Aus verschiedenen Ländern entstanden ein Ost- und ein Westblock, die sich voneinander abschotteten. Auch Deutschland war von dieser Abriegelung stark betroffen:

Aus den Besatzungsgebieten von Frankreich, den USA und Großbritannien wurde die Bundesrepublik Deutschland (BRD) gegründet. Diese Gebiete werden heute noch die „westlichen Bundesländer“ genannt und zu der Zeit war Bonn die Bundeshauptstadt. Aus den Besatzungszonen der Sowjetunion wurde die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegründet und viele sagen zu dieser Gegend heute die „östlichen Bundesländer“. Die Grenzen zwischen den frisch gegründeten Republiken wurden strengstens überwacht und es war schwierig, von einem Land in das andere zu kommen. In Berlin wurde zwischen den westlichen und den östlichen Gebieten eine Mauer gebaut, die von 1961 bis 1989 stand. Diese ist bis heute als die Berliner Mauer bekannt und wird oft als Symbol für die Trennung und Wiedervereinigung Deutschlands gesehen. Das getrennte Deutschland wurde also in zwei Staaten unterteilt, die auf unterschiedlichen Seiten eines politischen Konflikts standen. Personen, die zum Beispiel versuchten über die Mauer von Ostberlin nach Westberlin zu gelangen, wurden gewaltsam daran gehindert. Dabei gab es nachweislich mindestens 86 Tote. Deutschland war Teil des Eisernen Vorhangs und das Leben auf den zwei Seiten der Grenze unterschied sich in vielen Dingen: Zum Beispiel waren die Regierungssysteme, die wirtschaftliche Lage und die Meinungsfreiheit unterschiedlich.

Für viele Jahre war Deutschland ein getrenntes Land, bis es im September 1989 zu den „Montagsdemonstrationen“ kam. Mit den Demonstrationen forderten die Menschen im Osten mit den Worten, „Wir sind das Volk!“, die Reise- und Versammlungsfreiheit. Durch die Demonstrationen wurde der Druck auf die DDR-Regierung groß und am 9. November 1989 wurde bekannt gegeben, dass die Grenzen zwischen DDR und BRD geöffnet sind. Dadurch gab es einen Ansturm auf die Grenzübergänge. Dieses Ereignis wird auch als „Mauerfall“ bezeichnet, weil die Menschen in Berlin über die sie trennende Mauer geströmt sind. Überreste von der Mauer stehen heute noch in Berlin und viele KünstlerInnen haben sie bunt bemalt. Auch einen alten Grenzübergang, „Checkpoint Charlie“ kann man anschauen. Dadurch gerät die Teilung Deutschlands nicht in Vergessenheit.

Nach dem Fall der Mauer wurde auch der Ruf nach der Wiedervereinigung Deutschlands laut. 1990 gab es Verhandlungen  zwischen der

Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland. Es wurde entschieden, dass die DDR am 3. Oktober 1990 der BRD beitritt. An diesem Tag, fast ein Jahr nach dem Mauerfall, wurde es offiziell: Deutschland ist nach mehreren Jahrzehnten wieder ein geeintes Land. Deswegen wird in Deutschland jedes Jahr am 3. Oktober der „Tag der Deutschen Einheit“ gefeiert. Er erinnert an die Trennung und Wiedervereinigung Deutschlands.

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Das Brandenburger Tor in Berlin. Foto: tünews INTERNATIONAL / Mostafa Elyasian.

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