Eine Münze aus Damaskus zeigt einen Syrer, der römischer Kaiser wurde

Von Stefan Krmnicek

Anfang des Jahres haben wir in tünews INTERNATIONAL eine Münze des Königs Antiochos VIII. und seiner Mutter Kleopatra Thea aus Syrien vorgestellt: Eine 2000 Jahre alte Münze aus Damaskus erzählt Geschichte. Heute soll eine interessante Münze aus Damaskus zur Zeit der römischen Kaiserzeit präsentiert werden. Beide stammen aus der Münzsammlung des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Tübingen.

Bei dem Stück handelt es sich um eine 9,05 g schwere Bronzemünze mit einem Durchmesser von 24 mm. Die Oberfläche der Münze ist durch Korrosion stark angegriffen; deswegen sind nicht alle Details genau zu erkennen. Mit dem Wissen zur antiken Numismatik, also der Wissenschaft von griechischen und römischen Münzen, sind wir jedoch in der Lage das Münzbild exakt zu beschreiben und eine interessante Geschichte dazu zu erzählen:

Auf der Vorderseite sehen wir im Profil eine Büste nach links gerichtet. Auf dem Kopf trägt die Person einen Lorbeerkranz. Der um den Kopf gewundene Zweig und zwei hinter dem Nacken herabhängende Bänder sind noch gut zu sehen. An den Schultern kann man ein faltenreiches Gewand erkennen. Dabei handelt es sich um einen Umhang, der kunstvoll über einen Brustpanzer geworfen ist. Die rund um das Porträt verlaufenden Buchstaben sind nur schwer zu entziffern, lassen sich aber zur Umschrift IMP C M IVL PHILIPPVS P F AVG ergänzen. Damit wissen wir, dass es sich bei der abgebildeten Person um den 244–249 n. Chr. regierenden römischen Kaiser Marcus Iulius Philippus handelt und die Münze in seiner Regierungszeit hergestellt wurde.

Vorderseite einer Bronzemünze aus Damaskus unter Philippus Arabs, Tüb. Inv. Slg. Müller 1202. Foto: Stefan Krmnicek, Universität Tübingen.

Auf der Rückseite ist die Umschrift COL DAMA METRO zu lesen. Die Münze stammt also aus der Stadt Damaskus, die in römischer Zeit und in lateinischer Sprache als „Colonia Damascus Metropolis“ bezeichnet wurde. Anhand des Schwänzchens und des gewundenen Horns am Kopf des Tieres erkennen wir, dass hier ein ausgewachsener Widder dargestellt ist. Der Widder war das Symbol der Münzstätte Damaskus. Bereits auf den Silbermünzen von Alexander dem Großen (um 330 v. Chr.) aus Damaskus wurde ein Widder als Kennzeichen der lokalen Münzstätte abgebildet.

Rückseite einer Bronzemünze aus Damaskus unter Philippus Arabs, Tüb. Inv. Slg. Müller 1202. Foto: Stefan Krmnicek, Universität Tübingen.

Warum ist die Münze nun so besonders? Sie ist eine einzigartige Quelle für die syrische Lokalgeschichte: Der römische Kaiser Marcus Iulius Philippus war ein Einheimischer aus Schahba, knapp 80 km südöstlich von Damaskus. Aufgrund seiner lokalen Herkunft aus einer arabischen Familie wird der Kaiser in der Forschung auch als „Philippus Arabs“ – also „Philippus der Araber“ – bezeichnet. Es ist bemerkenswert, dass er, obwohl aus eher einfachen Verhältnissen stammend, in der römischen Armee eine steile Karriere und den sozialen Aufstieg vom Berufssoldaten bis hin zum Kaiser schaffte; auch sein älterer Bruder war erfolgreich und bis in die höchsten Verwaltungsämter aufgestiegen. Die Brüder sind damit ein perfektes Beispiel für eine gelungene Integration vor 2000 Jahren. Philippus regierte in einer äußerst instabilen Zeit, in der das Römische Reich durch viele Krisen erschüttert wurde. Insgesamt konnte er sich nur knapp fünf Jahre an der Macht halten. Dennoch ist sein Name untrennbar mit einem der bedeutendsten Momente in der Geschichte Roms verbunden: Von 21. bis 23. April 248 n. Chr. veranstaltete Philippus Arabs als regierender römischer Kaiser die mehrere Tage andauernde Feier zum 1000-jährigen Bestehen von Rom. Die antiken Quellen berichten, dass bei den Feierlichkeiten in der Arena des Kolosseums in Rom spektakuläre Spiele abgehalten wurden – mit unzähligen Gladiatoren (das waren Berufskämpfer in öffentlichen Spielen) und wilden Tieren wie Nilpferden, Leoparden, Löwen und Giraffen.

Wer mehr Interesse an solchen spannenden Erzählungen hat, kann antike Münzen aus Syrien, dem Irak und sogar aus Afghanistan im Museum Alte Kulturen der Universität Tübingen auf Schloss Hohentübingen besichtigen. Die vorliegende Münze ist auch in Zeiten von Corona und geschlossenen Museen bzw. für alle Interessierte außerhalb Tübingens kostenfrei unter https://www.ikmk.uni-tuebingen.de/object?id=ID3192 im Digitalen Münzkabinett des Instituts für Klassische Archäologie virtuell zu bewundern.

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Vorderseite einer Bronzemünze aus Damaskus unter Philippus Arabs, Tüb. Inv. Slg. Müller 1202. Foto: Stefan Krmnicek, Universität Tübingen.

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