Einkaufen mit Maske – ein Selbstversuch

Immer mehr Menschen sind mit einer Maske über Mund und Nase unterwegs. Wie fühlt sich das Maskentragen für mich an? Wie reagieren die anderen auf mich, wenn ich vermummt bin? Ich wollte es wissen und startete einen Selbstversuch.

Vor dem Betreten eines Drogeriemarkts installiere ich die von einer Freundin, einer Geflüchteten, liebevoll handgefertigte Maske. Es ist nicht viel los, obwohl die Klopapierbestände gerade frisch aufgefüllt wurden. Die erste Kundin, der ich begegne, lächelt mich sehr freundlich an. Das macht Mut. Erstes Problem: Meine Brille beschlägt. Die Atemluft erwärmt sich stärker, als für die noch kühlen Brillengläser gut ist.

In der Bäckerei, vor der ich zunächst in einer Schlage warten muss, mustert mich die Verkäuferin unangenehm berührt. Ich muss meine Bestellung etwas lauter wiederholen, angeblich versteht sie mich nicht. Aber als ich eine ganze Menge einkaufe, ist alles gut, und sie wünscht mir einen schönen Tag.

Beim Augenoptiker, wo ich angemeldet und der einzige Kunde bin, ist der junge Mitarbeiter regelrecht erfreut. Auch er zieht eine Maske an und achtet auf Abstand beim Messen der Werte für eine ärztlich verordnete neue Brille. In der Postagentur werde ich auch freundlich begrüßt. Der Kunde, der nach mir mit einem Paket den Laden betreten will, wird angeherrscht: „Draußen warten!“

Jetzt geht es in den Supermarkt, das ist der Stresstest. Neu für mich sind Security-Leute, die überprüfen, ob man wirklich einen Einkaufswagen zum Abstandhalten benützt. Die Menschen sind recht diszipliniert, ich sehe ein paar MaskenkollegInnen. Bei der Begegnung in den Gängen drücken sich junge Menschen noch mehr zur Seite. Ob das an meiner Maske liegt? Auch ein (mitleidiges?) Lächeln bekomme ich manchmal. Aber es gibt auch den Typus aufgeregte Hausfrau, die sich noch schnell mitten zwischen zwei Leuten durchdrücken muss.

Schließlich nähere ich mich der Kasse und beobachte, wie sich zwei junge Frauen richtig danebenbenehmen. Sie drücken sich distanzlos an allen vorbei, da sie noch etwas vergessen haben, und rufen laut „Entschuldigung!!“. Das haben sie bei mir im Sprachkurs gelernt. Ich erkenne sie als ehemalige Schülerinnen. Sie winken mir zu, ich winke zurück und bemühe mich, ein missbilligendes Gesicht zu machen.

Ich fühle mich vorbereitet, wenn die Maskenpflicht kommt. Andere Länder schreiben Masken ja schon vor. In Deutschland läuft die Diskussion darüber auf Hochtouren: Mehrere Ministerpräsidenten sind für eine Maskenpflicht, wenn die Bestimmungen gelockert werden sollen.

Manche Mediziner widersprechen, aber auch das Robert-Koch-Institut ist von seiner ablehnenden Haltung abgerückt.

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Impressionen zum Leben in Zeiten der Corona-Pandemie: Foto: tünews INTERNATIONAL; Mostafa Elyasian, 06.04.2020

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