Experten fordern „Turbo-Einbürgerung“

Nur 2,5 Prozent aller Personen, die die notwendigen Voraussetzungen erfüllen, lassen sich tatsächlich in Deutschland einbürgern und erwerben dadurch die deutsche Staatsbürgerschaft. Diese Tatsache beklagt der Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) in seinem aktuellen Jahresgutachten 2021. Die Einbürgerungsquote in Deutschland liege damit deutlich hinter den meisten anderen europäischen Ländern. Vergleichbar niedrig sei sie nur in Tschechien, Österreich, Dänemark und Litauen.

Der SVR empfiehlt daher unter anderem eine „Turbo-Einbürgerung“: Diese sollte bereits nach vier Jahren Aufenthalt ermöglicht werden für Personen, „die wirtschaftlich und sozial besonders gut integriert sind, sehr gut Deutsch sprechen und ihren Lebensmittelpunkt eindeutig nach Deutschland verlagert haben.“

Der SVR stellt auch fest, dass viele Personen gar nicht wüssten, dass sie sich einbürgern lassen könnten. Um die Einbürgerungsraten zu erhöhen, regt der SVR daher an, „gezielt für Einbürgerung zu werben und Einbürgerungsberechtigte über ihre Möglichkeiten und die Vorteile der Einbürgerung zu informieren.“

Personen von außerhalb der EU müssten bei einer Einbürgerung häufig ihre bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben. Das lehnten viele jedoch ab, weil sie sich beiden Ländern zugehörig fühlen. Eine doppelte Staatsbürgerschaft grundsätzlich zuzulassen, sei in Deutschland jedoch umstritten. Der SVR schlägt daher den „Doppelpass mit Generationenschnitt“ vor: Nach diesem Modell würde die doppelte Staatsangehörigkeit für eine oder zwei Generationen akzeptiert, könne dann aber nicht mehr an Nachkommen weitergegeben werden.

Das Gutachten des SVR enthält Zahlen für 2019, wie unterschiedlich die Einbürgerungszahlen je nach Herkunftsland sind: so ließen sich von den berechtigten Personen aus Syrien fast 20 % einbürgern, aus dem Iran 15,5 %, aus Afghanistan 12,8 %, aber nur 5 % aus der Ukraine, 3 % aus dem Kosovo und 1,2 % aus der Türkei.

Der Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) ist ein unabhängiges Expertengremium, das die Politik berät und der Öffentlichkeit sachliche Informationen zur Verfügung stellt.

Zum vollständigen Gutachten: SVR_Jahresgutachten_2021.pdf (svr-migration.de)

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Das Landratsamt in Tübingen. Foto: tünews INTERNATIONAL / Mostafa Elyasian.

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