Kaffee: Millionen lieben ihn, doch wie hat er sich verbreitet?

Von Youssef Kanjou und Oula Mahfouz

Vermissen Sie es, jetzt in der Corona-Zeit im Café zu sitzen? Haben Sie jemals darüber nachgedacht, wie Kaffeehäuser und Cafés entstanden sind und wer sie auf der ganzen Welt verbreitet hat?

Die Verwendung von Kaffee entwickelte sich unterschiedlich entsprechend den Bräuchen und Traditionen der jeweiligen Länder. Aber wie und wann entstanden der Kaffee, die Trinkgewohnheiten und wann verbreiteten sich Kaffeehäuser auf der ganzen Welt?

Es gibt viele Mythen darüber. Wahrscheinlich ist Äthiopien die ursprüngliche Heimat der Kaffeebohnen, aber der Jemen ist das Land, von dem aus Kaffee als Getränk verbreitet wurde. Und die Menschen im Jemen waren es, die den Kaffee zuerst Kaffee nannten. Kaffee ist ein arabisches Wort und hat mehrere Bedeutungen, eine davon ist eine Sorte von Wein – wahrscheinlich, weil man dachte, dass er eine Wirkung wie Wein hat.

Einer der wichtigsten Gründe, der zur Verbreitung von Kaffee beitrug, war die Verwendung durch Sufi-Gruppen in ihren religiösen Ritualen. Kaffee half ihnen, wach zu bleiben und sich zu konzentrieren. Es ist sehr interessant, dass die muslimischen und christlichen religiösen Führer ihn zunächst ablehnten. So gab es eine Fatwa, einRechtsgutachten islamischer Gelehrter, das ihn verbot, da er für den Körper so gefährlich wie Wein angesehen wurde.

Kaffee kam um 1414 nach Mekka und dann zu Beginn des 15. Jahrhunderts nach Ägypten. Die jemenitischen Studenten, die Islamwissenschaften an der Al-Azhar-Moschee in Kairo studierten, brachten ihn mit. Die Studenten nutzten ihn, um zu lernen und aktiv zu bleiben, was den Ägyptern fremd war.

Aufgrund der Komplexität der Kaffeezubereitung und ihrer vielen Schritte wurden Kaffeehäuser eröffnet, um ihn dort zu kochen. Es gibt keine vertrauenswürdige Quelle oder einheitliche Meinung über Zeit und Ort des ersten Cafés der Welt. Sicher ist, dass es in Syrien war: In Damaskus und Aleppo entstanden wahrscheinlich zwischen 1530 und 1532 die ersten Kaffeehäuser. In den alten Vierteln von Damaskus gibt es viele historische Cafés, die bis heute ihre alte Bauform beibehalten haben.

Während der Regierungszeit von Sultan Suleiman wurde in Istanbul 1554 das erste Café eröffnet. Dieses Café wurde von den syrischen Händlern Hakam al-Halabi und Shams al-Dimashqi gegründet. Von dort verbreiteten sich Kaffeehäuser über das Osmanische Reich in die ganze Welt, insbesondere nach Europa. 1645 wurde das erste Café in Mitteleuropa in Venedig eröffnet. 1652 folgte Oxford, wo ein Damaszener das „Grand Café“ erbaute, das bis heute so heißt. In Deutschland entstanden 1673 die ersten Kaffeehäuser, in Bremen und 1677 in Hamburg für eine Elite, erst 1721 wurde das erste öffentliche Café in Berlin eröffnet, zuvor schon 1683 das erste in Wien.

Cafés spielten zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Levante eine große Rolle, insbesondere in Damaskus, wo sie nicht nur für das Trinken von Kaffee und Tee und das Rauchen von Wasserpfeifen bestimmt waren, sondern wo sie auch eine große Rolle im sozialen, kulturellen und politischen Leben spielten. Zum Beispiel war der Hakawati, der Geschichtenerzähler, ein Ein-Mann-Theater in einem Café. Er erzählte dem Publikum Geschichten und Märchen, die aus dem arabischen Erbe und der Mythologie stammen. Sie trugen oft soziale und politische Botschaften. Cafés spielten somit eine ähnliche Rolle wie Theater und Fernsehen in der heutigen Zeit. Die Leute waren sehr daran interessiert, diese Geschichten zu hören und warteten täglich auf sie.

Die Besonderheit des arabischen Kaffees entsteht durch eine feinere Mahlmethode als in Europa und das lange Kochen und er weist einen hohen Konzentrationsgrad auf. Die Art der Präsentation und Zubereitung unterscheidet sich bei Beduinen, Stadt- und Landbewohnern.

Der sogenannte arabische Kaffee, der einen besonderen Platz im täglichen Leben einnimmt und Teil der Bräuche der arabischen Beduinenstämme ist, wird in einer kleinen Tasse serviert, in der sich eine sehr kleine Menge befindet. Die Leute können den starken Geschmack und die hohe Konzentration schmecken. Hier erfolgt die Zubereitung manuell: Zuerst werden Kaffeebohnen geröstet, dann von Hand gemahlen und schließlich lange Zeit mit Wasser gekocht, was Tage dauern kann!

Es gibt auch rituelle Gewohnheiten beim Kaffeetrinken. Wenn Sie beispielsweise nicht mehr trinken möchten, bewegen Sie die Tasse anders, als eine Person, die noch eine Tasse trinken möchte. Es gibt auch spezielle Geräte wie die „Dallah“, eine traditionelle Kaffeekanne, die trotz des Aufkommens moderner Gefäße bis heute verwendet wird.

In arabischen Städten gibt es heute eine moderne automatische Methode, mit der Kaffee sehr fein gemahlen wird. In einigen Ländern wie Syrien wird dem Kaffee Kardamom zugesetzt Die Zubereitung erfolgt durch Kochen in einer Kanne auf dem Herd und der Kaffee wird mit einer Tasse Wasser serviert. Zuerst muss das Wasser und dann der Kaffee getrunken werden. Früher waren Cafés auf Männer beschränkt und dort wurden nur Heißgetränke und Wasserpfeifen angeboten. Heute gibt es moderne Cafés, die alle empfangen und auch Speisen und Süßigkeiten anbieten.

Kaffee ist ein wesentlicher Bestandteil der täglichen Gewohnheiten von Menschen auf der ganzen Welt, hat jedoch inzwischen eine starke Konkurrenz durch andere Getränke. Der Kaffeekonsum nimmt trotzdem jedes Jahr erheblich zu, und aufgrund des Klimawandels nehmen die Kaffeebäume weltweit sehr stark ab. Werden Menschen dann ein anderes Getränk entdecken, das in Zukunft Kaffee ersetzen kann?!

Kurze Videos für die Zubereitung für Kaffee in der Tradition der Beduinen und von arabischem Kaffee heute:

Traditional Bedouin Coffee in Jordan – YouTube

https://www.youtube.com/watch?v=NeoH9XSPuW4&feature=share&fbclid=IwAR3DNqt9y7nkZoZ6rOwzFENzNFMrz0iNdhRnvahUAIbmERFswKcaLKbNKcM

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Foto: Alnofra Café in Damaskus von Mohamad Damor.

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