Ramadan beginnt: Was bedeutet Fasten im Islam?

Von Oula Mahfouz

Der Ramadan beginnt in diesem Jahr am  Freitag, 24. April, und geht bis zum 23. Mai. Dieser Termin wird von manchen muslimischen Ländern und Organisationen durch astronomische Berechnungen festgelegt, andere verlassen sich darauf, den Halbmond des Ramadans am Donnerstag davor mit bloßem Auge am Himmel zu sehen.

Der Monat Ramadan hat für Muslime eine besondere Bedeutung und sie betrachten ihn als einen Monat der Nähe zu Gott und verstärken ihre Anbetung, da das Fasten neben Salat (Gebet), Zakat (Almosen), Haj (Pilgerfahrt) und Shahada (Glaubensbekenntnis) eine der fünf Säulen des Islam ist. Festliche Rituale werden in den Häusern und Straßen der muslimischen Länder befolgt, und die Menschen gratulieren sich gegenseitig mit den Worten „Ramadan Mubarak“. Das Fasten erhöht die Familienbindung, da alle Familienmitglieder gleichzeitig essen.

Die fastende Person verzichtet auf Essen, Trinken, Geschlechtsverkehr oder Rauchen, und einen ganzen Mondmonat (Ramadan) lang dringt von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts davon in ihren Körper ein. Das Ziel des Fastens ist nicht, unter Hunger und Durst zu leiden, sondern sich Gott zu nähern und die tägliche Verschwendung des Einzelnen zu erkennen und denen Almosen zu geben, die es brauchen. Es bedeutet nicht nur, auf Essen und Trinken zu verzichten, sondern auch andere nicht zu beleidigen, mit niemandem zu streiten und lustvolle Gedanken zu vermeiden. Es ist wichtig, dass das Fasten auch dazu beiträgt, in diesem Monat ein gutes Verhalten zu entwickeln. Fasten ist für eine gesunde Person ein Muss. Kinder, Schwangere, Stillende, Menstruierende, Reisende und ältere Menschen sollen nicht fasten.

Es gibt normalerweise zwei Mahlzeiten: „Suhoor“ vor Sonnenaufgang und „Iftar“ nach Sonnenuntergang. Die Menschen sind normalerweise interessiert, bestimmte Arten von Lebensmitteln zu essen, die den Fastenprozess unterstützen und erleichtern wie Datteln und bestimmte Getränke wie Hibiskus, Süßholz und Tamarinde. Das tägliche Fasten dauert in Deutschland in diesem Jahr ungefähr 17 Stunden, in Syrien beispielsweise nur 15 Stunden, da die Tage dort kürzer sind.

Das Fasten ist ein Phänomen, das sich durch fast alle Religionen und Glaubensgemeinschaften der Welt zieht. Sowohl Buddhisten als auch Hindus, Juden und Christen kennen und praktizieren es. Und bei allen Religionen zielt das Fasten darauf ab, die Seele zu reinigen und zu verfeinern und den Körper zu disziplinieren. Das Fasten gilt als das reinste religiöse Ritual und ist weit entfernt von Heuchelei, da es keine „Tat“, sondern ein „Aufhören“ ist: Es werden die Dinge unterlassen, die einem Freude geben, wie Essen und Trinken, und man soll stattdessen geduldig sein.

Es gibt darüber hinaus aber auch persönliche oder politische Motive für das Fasten. Zum Beispiel als eine Art Streik oder Protest, damit bestimmte Forderungen erfüllt werden sollen. Oder gesundheitliche: Mittlerweile breiten sich auch auf der ganzen Welt Kliniken für therapeutisches Fasten aus, was sich auf die Gesundheit der Fastenden meist als sehr vorteilhaft erweist.

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Foto: tünews INTERNATIONAL; Oula Mahfouz, 23.04.2020

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