Was das Deutschlernen erschwert

Bildungsniveau, Familienkonstellation, Gesundheitsrisiken und Wohnsituation können das individuelle Deutschlernen von Geflüchteten negativ beeinflussen. Das ergab eine vor kurzem vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) veröffentlichte Analyse innerhalb eines großen Forschungsprojekts zur Evaluation der Integrationskurse.

Geflüchteten mit einem höheren Bildungsniveau fällt der Erwerb der deutschen Sprache deutlich leichter als Geflüchteten mit einem niedrigen Bildungsniveau. Wer keine oder nur geringe Erfahrungen in einem Schulsystem gemacht hat, hat auch nicht „gelernt zu lernen“ und damit strukturiert neues Wissen zu erwerben. Bei Geflüchteten, die von ihrer Kernfamilie getrennt in Deutschland leben, führen die Trennung und die damit verbundenen Sorgen um die Angehörigen im Ausland oft zu Ablenkung und fehlender Konzentration im Sprachunterricht. Diese Geflüchteten lernen entsprechend langsamer. Bei vielen Geflüchteten besteht die Gefahr, an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken. Dadurch wird die Konzentrationsfähigkeit im Unterricht entscheidend eingeschränkt. Bei einer Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft fehlen häufig Rückzugsmöglichkeiten zum Lernen und Möglichkeiten zur Nutzung der deutschen Sprache. Dadurch wird auch der Spracherwerb erschwert. Geflüchtete in Privatunterkünften dagegen sind nicht nur zufriedener mit ihrer Unterbringung, sondern erwerben auch bessere Deutschkenntnisse.

Diese nachteiligen fluchtspezifischen Voraussetzungen treffen nicht auf alle Geflüchteten zu. Wenn sie jedoch bestehen und eventuell auch mehrere davon kombiniert sind, wirkt sich das „bedeutsam auf den Spracherwerb und somit auch auf die gesamte gesellschaftliche Teilhabe aus“, so die Autorinnen der Studie. Die Ergebnisse wurden aus Interviews mit Geflüchteten, mit Lehrkräften und Trägern von Integrationskursen sowie aus statistischen Erhebungen gewonnen.

Die Analyse ist zu finden unter: https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Forschung/Kurzanalysen/kurzanalyse4-2020-fluchtspezifische-faktoren-deutscherwerb.pdf?__blob=publicationFile&v=5

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Foto: tünews INTERNATIONAL; Mostafa Elyasian, 15.07.2020

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