Zu kurzfristige Integrationspolitik: Deutschland verliert in internationalem Ranking

Deutschland ist in der neuen Ausgabe des internationalen Integrationsrankings nicht mehr in den Top Ten. Zum fünften Mal hat der „Migrant Integration Policy Index“ (MIPEX) die Integration von MigrantInnen in 52 Ländern gemessen. Seit 2007 untersucht ein internationales Forscherteam, wie verschiedene Länder Newcomers dabei unterstützen, an der Gesellschaft teilzuhaben. Deutschlands Integrationspolitik ist eher restriktiver geworden. Das sei zum Teil eine Reaktion auf den „Flüchtlingssommer 2015“. Denn andere Länder wie etwa Irland, Luxemburg und Spanien hätten in den vergangenen fünf Jahren eine inklusivere Integrationspolitik betrieben.

Wie bereits 2015 schneidet Deutschland besonders gut bei der Integration auf dem Arbeitsmarkt ab. In den vergangenen fünf Jahren sei es für MigrantInnen einfacher geworden, Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu finden und ihre Qualifikationen anerkennen zu lassen.

Bei der langfristigen Integration in die Gesellschaft sieht die Forschungsgruppe aber Defizite. Von den 52 Ländern habe Deutschland eine der restriktivsten Regelungen zur Familienzusammenführung. Dieser werde durch Sprachtests und durch das nachzuweisende Einkommensniveau erschwert. Sprache und Einkommen sind auch entscheidende Faktoren, um einen langfristigen Aufenthaltsstatus zu erwerben. Auch hier schneidet Deutschland schlechter als der Durchschnitt der untersuchten Länder ab. Ebenso ist es schwierig für AusländerInnen, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erwerben.

Sabine Hess, Migrationsforscherin an der Universität Göttingen, sieht die MIPEX-Ergebnisse als Appell an die deutsche Politik: „Deutschland ist immer noch nicht in der Einwanderungsgesellschaft angekommen. Die deutsche Integrationspolitik ist an einer zeitlich befristeten Integration orientiert und folgt stark ökonomischen Überlegungen.“ Ähnlich bewertet auch Albert Scherr, Leiter des Instituts für Soziologie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg: Migranten aus Nicht-EU-Ländern seien im Hinblick auf eine sichere Zukunftsperspektive mit großen Verzögerungen, Unsicherheiten und Hindernissen konfrontiert. Dies würde vor allem die Integration von Geflüchteten verhindern: Vielen von müssten lange in Unsicherheit leben, bevor sie trotz erfolgreicher Ausbildung und Arbeitsmarktintegration einen verfestigten Aufenthaltsstatus erreichen können. Eine Zusammenfassung des Berichts in englischer Sprache gibt es unter: Germany | MIPEX 2020

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Impressionen zum Leben in Zeiten der Corona-Pandemie: Foto: tünews INTERNATIONAL; Mostafa Elyasian, 30.07.2020

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