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Ziegler, Alexander (Alexius)

Alexander Gideon wurde am 4. Juni 1911 in der Tübinger Frauenklinik geboren. Seine Mutter hieß Karolina, genannt Berta, Gideon. Sie war die Tochter des verstorbenen Handelsmannes Abraham Elias Gideon und dessen Ehefrau Berta geborene Rödelsheim. [5601] [5602] Karolina Gideon war israelitischer Religion und wohnte in Rexingen, heute ein Ortsteil der Stadt Horb am Neckar im Landkreis Freudenstadt. [5601] Zum Zeitpunkt ihrer Entbindung war Karolina Gideon nicht verheiratet.

Karolina Gideon heiratete am 2. Februar 1914 Benno Ziegler in Bernloch, heute ein Ortsteil der Gemeinde Hohenstein im Landkreis Reutlingen. Im Heiratsregister wird sie als Köchin bezeichnet. Benno Ziegler war am 31. Januar 1876 in München geboren worden und katholischer Religion. Er wohnte in Bernloch. Im Heiratsregister wird Benno Ziegler als Elektromonteur bezeichnet. Seine Eltern waren der Müllergeselle Benno Ziegler und dessen Ehefrau Elisabeth geborene Baur. [5602] Am 17. Februar 1914 erkannte Benno Ziegler Alexander Gideon als eigenes Kind an. [5601]

Bis November 1932 war Alexander Ziegler (geborener Gideon) in Untersulmetingen, heute ein Stadtteil von Laupheim im Landkreis Biberach, gemeldet. Am 3. November 1932 zog er nach Wiedenbrück, heute ein Stadtteil von Rheda-Wiedenbrück, Kreis Gütersloh in Nordrhein-Westfalen. [5603] Im Nachtrag zu seiner Vermögenserklärung gab Alexander Ziegler 1942 an, dass er ab dem 20. November 1932 in der Sperrholz­fabrik Gebrüder Talheimer in Wiedenbrück gearbeitet habe. [5604] Die Existenz der Firma Thalheimer und ihrer damaligen jüdischen Besitzer war bis 1936 ausschlaggebend für den Zuzug jüdischer Arbeitskräfte nach Wiedenbrück. [5605]

In der Bürgerrolle der damals selbständigen Stadt Wiedenbrück wird Alexander Ziegler als Mechaniker bezeichnet. Er war ledig und israelitischer Religion. Sein Vorname wurde als „Alexius“ eingetragen. In Wiedenbrück wohnte er in der Langstraße 82, Kirchstraße 7, im Neupförtnerwall 17, in West 145 und in der Wasserstraße 18. Alexander Ziegler meldete sich am 19.(?) November 1936 nach Rheda ab, heute einem Stadtteil von Rheda-Wiedenbrück. Dort wohnte er im Steinweg 3. [5603] Mitglieder des SA-Sturms 25/158 Rheda überfielen im März 1938 „Alex“ Ziegler. [5606] Alexander Ziegler berichtete, dass „beim Synagogenbrand“ in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 seine „sämtlichen Effekten und Ersparnisse in Flammen“ aufgegangen seien. [5604] Da die jüdischen Bewohner von Wiedenbrück Mitglieder der Synagogengemeinde in Rheda waren und er dort wohnte, muss sich seine Angabe auf die Synagoge in Rheda beziehen, die Nationalsozialisten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Brand setzten. [5607]

Alexander Ziegler wurde „anschließend nach dem Brand“ verhaftet und am 12. November 1938 [5604] über Bielefeld in das KZ Buchenwald, heute im Gebiet der Stadt Weimar, „eingeliefert“. Dort hatte er die Haft-­Nummer 5231. Von dort wurde er am 12. April 1939 zu seinem Vater nach Untersulmetingen entlassen. [5608] Alexander Ziegler wohnte ab dem 26. April 1939 bei seinen Eltern in der Wilhelm-Murr-Straße 98 in Untersulmetingen. Er arbeitete zuletzt als Hilfsarbeiter und Eisenflechter bei der Firma Ernst Brecht in Laupheim. [5609] Gegenüber dem Finanzamt Biberach führte Alexander Ziegler 1942 aus: „Mein gesamtes Vermögen hat im Koffer u. auf meinem Leibe Platz.“ Seit seiner Entlassung aus dem KZ Buchenwald sei es ihm „nicht mehr möglich“ gewesen, „größere Anschaffungen zu machen“, da er auch seine Eltern unterstützt habe. [5604]

Laut Dokumentationsstelle zur Erforschung der Schicksale der jüdischen Bürger Baden-Württembergs 1933-1945 wurde Alexander Ziegler am 26. April 1942 in das KZ Izbica im Gebiet des heutigen polnischen Landkreises Krasnystaw in der Woiwodschaft Lublin deportiert. [5610] Der Zug Da 56 mit circa 440 Menschen jüdischer Herkunft aus Südwestdeutschland, Luxemburg, Trier und der Pfalz fuhr von Stuttgart am 26. April 1942 ab und kam am 29. April in Izbica an. [5611]

1943 focht Alexander Zieglers Vater Benno die Ehelichkeit des Alexander Ziegler mit den Ergebnissen einer Blutgruppenuntersuchung an. Die Untersuchung habe ergeben, dass Benno Ziegler nicht der „Erzeuger des Beklagten“ sein könne. Das Landgericht Ravensburg erklärte daraufhin am 27. Mai 1943: „Der Beklagte ist nicht das eheliche Kind des Klägers.“ [5612] Zur Anfechtung der Ehelichkeit des Alexander Ziegler erklärte Benno Ziegler, dass „laut Nürnberger Gesetz“ „kinderlose Mischehen privilegiert“ gewesen seien. Da seine Ehe mit Alexanders Mutter Karolina geborene Gideon „tatsächlich kinderlos“ gewesen sei, habe er, „um wenigstens meine Frau vor der Vernichtung zu retten“, die Ehelichkeit seines Sohnes mittels einer Blutprobeuntersuchung angefochten. [5613]

Benno Ziegler berichtete 1951, dass sich Alexander Ziegler zuletzt im „KZ-Lager Augustowka“ bei Lublin befunden habe und seine letzte Nachricht vom August 1942 stamme. [5614] Die Amtsgerichtszweigstelle Laupheim erklärte am 4. Dezember 1951 Alexander Ziegler (Gideon) zum 8. November 1943 für tot. [5615]

KrATÜ P1-56

Der Landkreis Tübingen und die Gemeinde Kusterdingen haben sich 2022 dazu entschlossen, gemeinsam ein Gedenkbuch zu erarbeiten und vor dem Jüdischen Friedhof Wankheim aufzustellen.

1774 gestattete der ritterschaftliche Ortsherr Freiherr Friedrich Daniel St. André den Zuzug jüdischer Familien in sein Dorf Wankheim bei Tübingen. Die bürgerliche Gemeinde Wankheim verpachtete der jüdischen Gemeinschaft ab November 1774 einen Begräbnisplatz.

An dieser Stelle informieren wir darüber, welche weiteren Erkenntnisse es zum Gedenkbuch vor dem Jüdischen Friedhof Wankheim gegeben hat und welche Textstellen in der online-Version des Gedenkbuches korrigiert wurden.

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