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Braun, Clara

geborene Weil

Clara Weil wurde am 27. April 1870 in Ellwangen, heute Ostalbkreis, geboren. Ihre Eltern waren Leopold Weil und dessen zweite Ehefrau Hanna geborene Neuburger. Der Vater wird im Familienbuch als „Hebräer“ und Buchdrucker bezeichnet. [0501] Clara war die Schwester der Brüder Albert und Sigmund Weil, die im Januar 1903 die Zeitung „Tübinger Chronik“ übernehmen sollten. [0502]

Am 18. Mai 1891 heiratete Clara Weil in Ellwangen Josef Braun. Dem Heiratsregister zufolge waren beide Eheleute israelitischer Religion. Josef Braun war am 7. März 1860 in München geboren worden. Er wird als Fabrikant bezeichnet. Zum Zeitpunkt der Eheschließung wohnte er in Auerbach, heute Vogtlandkreis. Seine Eltern waren der Privatier Heinrich Braun und dessen Ehefrau Amalie geborene Neuburger. Sie wohnten in München. [0503] Clara und Josef Braun hatten zwei Töchter: Elsa, geboren am 9. Februar 1893, und Mathilde, geboren am 12. Februar 1894. Zum Zeitpunkt der Geburt von Elsa wohnte die Familie Braun in München in der Kanalstraße 40, zum Zeitpunkt der Geburt von Mathilde dort in der Müllerstraße 46b. [0504] [0505] Durch Urteil des Königlichen Landgerichts I in München wurde die Ehe von Clara und Josef Braun am 16. Dezember 1904 geschieden. [0503]

Spätestens ab Herbst 1905 wohnte Clara Braun-Weil in Tübingen. Als Wohnadresse ist 1905 zunächst die Österbergstraße 2½, dann noch im selben Jahr sowie 1906 und 1908 die Mühlstraße 20/I genannt. [0506] [0507] 1912 und 1914 ist die Adresse Karlstraße 11/II belegt. [0506] [0508] Der Tübinger Einwohnermeldekartei zufolge wohnte Clara Braun ab dem 21.(29.?) März 1920 in der Nauklerstraße 39. [0509]

In den Tübinger Adressbüchern ist als Beruf Clara Brauns „Privatiere“ eingetragen. [0506] [0507] Clara Braun beantragte im Oktober 1905 ihre Zulassung als Hörerin in den Fächern Geschichte und Philologie an der Universität Tübingen. Als Vorbildung wies sie auf die „Absolvierung einer höheren Mädchenschule“ hin. Die Gasthörerakte im Universitätsarchiv Tübingen belegt, dass sie als Gasthörerin angenommen wurde. In den Akten der Universität Tübingen erscheint der Vorname auch in der Schreibweise „Klara“. Noch 1912 belegte sie Vorlesungen im Fach Philologie. [0506] Auch Clara Brauns Töchter studierten in Tübingen. Mathilde (Thilde) Braun studierte 1914 bis 1917 und 1919 bis 1920 Zahnmedizin. [0510] Elsa (Else) Braun studierte 1919 bis 1921 Pharmazie. [0511] Am 20. Februar 1921 starb Clara Brauns Tochter Else in Tübingen. [0512] Ihr Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof Wankheim. [0513]

Clara Braun meldete sich am 23. Dezember 1925 nach Nürnberg, Sulzbachstraße 80 ab. [0509] In den Nürnberger Adressbüchern ist sie 1927 und noch 1933 unter dieser Adresse als Kaufmannswitwe genannt. [0514] Unter derselben Adresse war auch ihre Tochter Mathilde (Thilde) registriert. Letztere wird als Zahnärztin bezeichnet. [0515] Im Nürnberger Adressbuch für das Jahr 1934 lassen sich weder Clara noch Thilde Braun nachweisen. [0516] Im Rahmen des Entschädigungsverfahrens gab die Tochter Mathilde Braun 1957 an, ihre Mutter habe 1934 in Ulm in der Beyerstraße 54 eine Zweizimmerwohnung mit Küche gemietet, die sie „bis zur Zwangsausweisung in das israelitische Altersheim in Laupheim“ 1940 bewohnt habe. [0517]

Der Bürgermeister der Stadt Laupheim teilte am 31. August 1942 dem Landrat in Biberach die Namen der zu- und weggezogenen Juden mit. Nach dieser Liste war Clara (Klara) Braun am 19. August 1942 „nach unbekannt“ verzogen. Ihre Adresse in Laupheim lautete: Judenberg 2. [0518] Das war die Adresse des dortigen Jüdischen Altersheims. [0519] Clara Brauns Name steht mit der laufenden Nummer 578 auf der Liste des Deportationstransports XIII/1 von Stuttgart ins Ghetto Theresienstadt, heute in Terezín im tschechischen Bezirk Litoměřice. Clara Braun ist anhand ihres Geburtsdatums und Geburtsortes identifizierbar. [0520] Der Zug fuhr am 22. August 1942 vom Stuttgarter Nordbahnhof ab und traf am 23. August 1942 in Theresienstadt ein. [0521]

Einer Karteikarte der Ghettoverwaltung Theresienstadt zufolge wurde Clara Braun am 26. September 1942 in dem mit Br bezeichneten Transport weiterdeportiert, ihre Transportnummer lautete 1117. [0522] Der Zug kam am 28. oder 29. September 1942 im Vernichtungslager Treblinka auf dem Gebiet der heutigen polnischen Landkreise Ostrów Mazowiecka und Sokołów Podlaski in der Woiwodschaft Masowien an. Das Durchschnittsalter der 2004 Häftlinge in diesem Transport betrug 72 Jahre. Die meisten Menschen wurden unmittelbar nach der Ankunft ermordet. [0523] Das Amtsgericht Ulm erklärte am 21. Oktober 1954 Clara Braun für tot. Das Gericht legte als Todestag den 31. Dezember 1942 fest. [0524] [0501]

KrATÜ P1-05

Der Landkreis Tübingen und die Gemeinde Kusterdingen haben sich 2022 dazu entschlossen, gemeinsam ein Gedenkbuch zu erarbeiten und vor dem Jüdischen Friedhof Wankheim aufzustellen.

1774 gestattete der ritterschaftliche Ortsherr Freiherr Friedrich Daniel St. André den Zuzug jüdischer Familien in sein Dorf Wankheim bei Tübingen. Die bürgerliche Gemeinde Wankheim verpachtete der jüdischen Gemeinschaft ab November 1774 einen Begräbnisplatz.

An dieser Stelle informieren wir darüber, welche weiteren Erkenntnisse es zum Gedenkbuch vor dem Jüdischen Friedhof Wankheim gegeben hat und welche Textstellen in der online-Version des Gedenkbuches korrigiert wurden.

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