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Hirsch, Erich Siegfried

Erich Siegfried Hirsch wurde am 7. Juni 1924 in Karlsruhe geboren. Die Verwaltung der Badischen Landeshebammenlehranstalt in Karlsruhe meldete, dass die unverheiratete Paula Theresia Hirsch aus Tübingen einen Jungen zur Welt gebracht habe. Der Vater des Kindes ist im Geburtenregister nicht genannt. [1801] Erich Hirschs Mutter hielt sich nur zur Entbindung in Karlsruhe auf. [1802] Der Tübinger Einwohnermeldekartei zufolge lebte Erich Hirschs Mutter Paula ab dem 1. Juni 1924 im zweiten Stock der Adresse Holzmarkt 1 in Tübingen. [1803]

Erich Hirsch scheint die folgenden Wohnortwechsel seiner Mutter nach Stuttgart [1804], Heidelberg [1803] und in das Landheim Reichenberg, heute Gemeinde Oppenweiler im Rems-Murr-Kreis [1805] [1803] nicht mitgemacht zu haben. Spätestens 1933 lebte er in der Israelitischen Waisenanstalt Wilhelmspflege in Esslingen. Dies belegen ein Schülerzeugnis vom April 1933 für sein zweites Schuljahr und die Schultabelle der Wilhelmspflege für das vierte und fünfte Schuljahr 1936. In der Schultabelle 1936 schrieb ihm der Lehrer Fritz Samuel zu, „im allgem[einen] fleißig“ und „ein Schwätzer“ sowie „kameradschaftl[ich]“ zu sein. [1806] Beim Städtischen Wohlfahrtsamt Esslingen am Neckar wurde 1934 öffentliche Fürsorge für Erich Hirsch beantragt. [1807] Das Israelitische Waisenhaus Wilhelmspflege Esslingen war bis 1938/1939 in Funktion. [1808] Paula Hirsch gab an, dass ihr Sohn Erich sich im August 1940 in Hamburg-Rissen im Tinstaler Kirchenweg 245 aufhielt, wo er eine Lehre als Gärtner machte. [1804]

Erich Hirschs Mutter Paula Hirsch war seit 1934 Heim­insassin des Evangelischen Landheims für Frauen und Mädchen in Reichenberg im Gebiet der heutigen Gemeinde Oppenweiler im Rems-Murr-Kreis. Vor seiner Deportation im November 1941 soll Erich Hirsch „einige Wochen“ mit seiner Mutter „auf dem Reichenberg … als Gast“ gelebt haben. [1809] Die Staatspolizeileitstelle Stuttgart informierte die Landräte in Württemberg und Hohenzollern in einem Brief vom 18. November 1941 über die „im Rahmen der gesamteuropäischen Entjudung“ anstehende „Abschiebung von Juden in das Reichskommissariat Ostland“ per Eisenbahn. [1810] Am 19. November verschickte die Jüdische Kultusvereinigung Württemberg e.V. ein vorgedrucktes Schreiben „Betr. Evakuierung“, das in einer Fassung auch an Erich Hirsch in Reichenberg und seine Mutter Paula adressiert war. Sie sollten sich für ihre „Evakuierung“ ab dem 26. November 1941 in ihrer aktuellen Unterkunft (in Reichenberg) bereithalten. Erich Hirsch wurde die Transportnummer 904 zugeteilt, seiner Mutter die Nummer 903. [1811]

Am 24. November 1941 verfügte die Staatspolizeileitstelle Stuttgart den Einzug des Vermögens von Paula Hirsch. Sie wurde nach einer Mitteilung des Finanzamts Backnang am 26. November 1941 in das „Auffanglager Stuttgart“ eingeliefert. [1812] Dieses „Auffanglager“ war auf dem Stuttgarter Killesberg eingerichtet. Anne Hahn, die damals wohl auf dem Reichenberg arbeitete, habe Paula Hirsch und ihren Sohn mit dem Landjäger von Oppenweiler zum Bahnhof gebracht. [1809]

Das Bürgermeisteramt Oppenweiler bezog sich bei einer Auskunft von 1966 auf eine Karteikarte des dortigen Einwohnermeldeamts, als es den 28. November 1941 als Datum für „nach unbekannt verzogen“ nannte. Auf der Karteikarte soll zusätzlich der Vermerk „evakuiert“ eingetragen gewesen sein. [1805] Von Stuttgart aus fuhr der Deportationstransport mit der Nummer Da 33 am 1. Dezember 1941 nach Riga in Lettland. [1813] Mit diesem Transport wurden 1000 Jüdinnen und Juden aus Württemberg und Hohenzollern deportiert. [1810] Am 4. Dezember 1941 kam der Transport am Bahnhof Skirotava bei Riga an. Die Deportierten mussten in das KZ „Gut Jungfernhof“. Wie viele andere aus diesem Transport, wurden vermutlich auch Erich Hirsch und seine Mutter Paula am 26. März 1942 im Wald Biķernieki bei Riga erschossen. [1813]

KrATÜ P1-18

Der Landkreis Tübingen und die Gemeinde Kusterdingen haben sich 2022 dazu entschlossen, gemeinsam ein Gedenkbuch zu erarbeiten und vor dem Jüdischen Friedhof Wankheim aufzustellen.

1774 gestattete der ritterschaftliche Ortsherr Freiherr Friedrich Daniel St. André den Zuzug jüdischer Familien in sein Dorf Wankheim bei Tübingen. Die bürgerliche Gemeinde Wankheim verpachtete der jüdischen Gemeinschaft ab November 1774 einen Begräbnisplatz.

An dieser Stelle informieren wir darüber, welche weiteren Erkenntnisse es zum Gedenkbuch vor dem Jüdischen Friedhof Wankheim gegeben hat und welche Textstellen in der online-Version des Gedenkbuches korrigiert wurden.

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