Irak wurde Asienmeister mitten im Bürgerkrieg

Von Sameer Ibrahim
Anlässlich der aktuellen Fußballweltmeisterschaft erinnert sich das irakische Redaktionsmitglied von tünews INTERNATIONAL Sameer Ibrahim an den bisher größten Erfolg der irakischen Nationalmannschaft.
Fußball ist in der irakischen Gesellschaft sehr beliebt. Im Fußball sind alle Iraker vereint. Denn die Nationalmannschaft besteht aus Mitgliedern der vielen ethnischen und religiösen Gruppierungen. Sie ist so ein Mikrokosmos der irakischen Gesellschaft, die aus 40 Millionen Menschen besteht.
Der Asien-Cup, der alle vier Jahre veranstaltet wird, fand im Juli 2007 zum ersten Mal in der Geschichte des Turniers in vier Ländern statt: Indonesien, Malaysia, Vietnam und Thailand. Für die irakische Nationalmannschaft war es nicht leicht, gegen starke Mannschaften wie Australien, Südkorea und Japan eine Meisterschaft zu gewinnen. Das irakische Team überraschte jedoch alle mit der Qualifikation für das Endspiel. Und auch das Endspiel gewann die irakische Mannschaft durch einen 1:0-Sieg gegen Saudi-Arabien. Das entscheidende Tor erzielte Younis Mahmoud, der auch zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde. Damit qualifizierte sich der Irak als Asien-Meister für den Confederations Cup, an dem die Meister aller Kontinente teilnehmen.
So durfte der Irak die vier Milliarden Menschen in Asien beim Confederations Cup vertreten. Es ist sehr erstaunlich, dass dies in einer Zeit gelungen ist, in der der Irak unter einem blutigen Krieg und heftigen Konflikten litt und viele Jahre lang täglich terroristische Ereignisse erlebte.
Dieser Erfolg hatte auch einen großen Einfluss auf Psyche und Bewusstsein der irakischen Menschen, wie ich selbst während dieser glücklichen Fußballtage in der Hauptstadt Bagdad in einer turbulenten und elenden Situation erlebte. Damals war der irakische Bürgerkrieg zwischen den extremistischen sunnitischen und schiitischen islamischen Milizen auf dem Höhepunkt. Statistiken besagen, dass zu dieser Zeit Zehntausende unschuldiger Zivilisten getötet wurden. Während die irakische Nationalmannschaft auf dem Platz Tore schoss, füllten die Toten die Straßen Bagdads. So starben allein 50 Menschen durch ein Bombenattentat während einer Siegesfeier. Obwohl die alltägliche Situation der Menschen ein Albtraum war, fanden die Iraker Raum für Freude und atmeten den Duft der Hoffnung, als sie die Leistung der irakischen Nationalmannschaft auf dem Spielfeld sahen.
Mehr zum Asien-Cup 2007: Fußball-Asienmeisterschaft 2007 – Wikipedia

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Fußballtor. Foto: tünews INTERNATIONAL / Martin Klaus.

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